Die Restaurierung des Gemäldes "Narciss" von T. L. Pochmann, 1808

  Gesamtaufnahme, Endzustand

  © Monika Kammer, Hochschule für Bildende Künste Dresden

 

Den Anlass zu dieser Restaurierung bot die Sonderausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden anlässlich des 250. Geburtstags des Malers Traugott Leberecht Pochmann im Schaukabinett der Galerie Neue Meister, Albertinum

(25. September bis 09. Dezember 2012).

T. L. Pochmanns Gemälde aus dem Bestand der Kustodie der Hochschule für Bildende Künste Dresden zählt zu den sieben, noch im Kunstbesitz der HfBK Dresden befindlichen Rezeptionsgemälden. Lehrende und Mitglieder der Akademie waren zur Abgabe eines Aufnahmewerkes verpflichtet. Diese Rezeptionsarbeiten gingen in das Eigentum der Kunstakademie über, dienten zu Anschauungszwecken und erweiterten die Sammlung.

 

Das Gemälde zeigt den blond gelockten Jüngling Narciss in der Betrachtung seines Spiegelbildes. Der jugendliche Akt ist eingebettet in eine Felslandschaft mit Bäumen und Efeuranken, eine Narzisse am linken Bildrand verweist auf das Bildmotiv.

Die Malerei ist über einer zweischichtigen Grundierung aufgebaut. Bezüglich der Ausführung der Malerei besteht ein deutlicher Unterschied zwischen Hintergrund und Inkarnat. Pochmann arbeitete im Inkarnat mit zahlreichen Lasuren, die fein ineinander vertrieben sind. Die Landschaft im Hintergrund ist flüchtig und großzügig gemalt. Ein Naturharzfirnis schließt die Malerei ab. Es handelt sich dabei jedoch nicht mehr um den ursprünglichen Firnis, wie darunter liegende Überarbeitungen zeigen.     

 Am Gemälde sind verschiedene Bearbeitungen 

 des Bildträgers und der Malschicht nachweisbar.

 Die Maßnahmen lassen sich drei zeitlichen 

 Phasen zuordnen, deren konkreter Zeitpunkt

 jedoch nicht bekannt ist. Eine umfassende

 Bearbeitung erfolgte vermutlich im ausgehenden

 19. Jahrhundert. Nach einem umfangreichen

 Feuchtigkeitsschaden, verbunden mit

 Malschichtstauchungen und -verlusten wurde das

 Gemälde umfassend überarbeitet, doubliert und

 neu gefirnisst. Dieser Maßnahme zuzuordnende

 großflächige Retuschen und lasurartige

 Übermalungen im Hintergrund haben den

 Charakter einer vereinheitlichenden

 Überarbeitung.

 Zuletzt erfolgte 1989 eine umfassende

 Konservierung des Bildträgers (insbesondere

 erneute Doublierung) im Studiengang

 Restaurierung an der HfBK Dresden.

Detail des Narciss, stark fleckiger Firnis sowie

aufgehellte Retuschen im Inkarnat, Vorzustand

© Annemarie Huhn

 Erhaltungszustand

Neben kleineren Malschichtlockerungen zeigte das Gemälde insgesamt ein ästhetisch unbefriedigendes Erscheinungsbild, wesentlich bedingt durch farbveränderte Retuschen, den stark fleckigen, vergilbten Firnis und die inhomogene Oberflächenstruktur, verursacht durch Malschichtverpressungen und -stauchungen, m

echanische Beschädigungen sowie ungekittete Fehlstellen.

 Konservierung und Restaurierung

Nach der Festigung der Malschicht, der Firnisabnahme, Kittung bisher ohne Niveauausgleich retuschierter Fehlstellen, Überarbeitung farbveränderter älterer Retuschen sowie dem Auftrag eines neuen Naturharzfirnisses zeigt das

Gemälde einen gepflegten Alterswert. Die inhomogene

Struktur der Oberfläche ist unverändert, jedoch ist der ästhetische Gesamteindruck durch die Abnahme des Firnisses sowie                     Detail während der Firnisabnahme, © Annemarie Huhn

die farbliche Integration der

Fehlstellen und farbveränderter Retuschen wesentlich beruhigt.    

 

  

Auftraggeber: Hochschule für Bildende Künste Dresden, 2012

Eigentümer: Hochschule für bildende Künste Dresden

Zurück