Die Restaurierung des Holztafelgemäldes „Hortus conclusus“ im Dom zu Merseburg

- Die Restaurierung einer Restaurierung -

Das großformatige Holztafelgemälde (317,5 cm x 395,0 cm) von 1515 zeigt die Verkündigung an Maria, dargestellt als sakrale Einhornjagd im verschlossenen Garten, dem so genannten „Hortus conclusus“.

 Restauriergeschichte  

Am „Hortus conclusus“ sind mehrere restaurier-geschichtliche Behandlungen dokumentiert. Die inzwischen historische Restaurierung von 1938/39 durch Albert Leusch (1877-1954), Werkstattleiter der Lehr- und Versuchswerkstatt des Provinzial-konservators der Provinz Sachsen in Halle, prägt das heutige Erscheinungsbild. Neben konservatorischen Maßnahmen am hölzernen Bildträger (u.a. Holz- festigung, Begradigung, Tafelverleimung,) bestimmte die Behandlung der Malschicht, besonders die Retusche maßgeblich den Umfang der damaligen Restaurierungsarbeiten. Das Gemälde war stark zerstört, die Lesbarkeit der Darstellung akut gefährdet, so war z.B. die Figur Gabriels nur noch fragmentarisch erhalten.

  Erhaltungszustand

Starke Oberflächenverschmutzung und umfangreiche Malschichtlockerungen prägten das heutige Erscheinungsbild. Gipsablagerungen bildeten einen partiellen Weißschleier auf der Malschicht und Retuschen hatten sich stark farblich verändert.

 Konservierung und Restaurierung

Alle benannten Schadensbilder traten vorwiegend an früheren Restaurierungen auf. Der Hauptaspekt der Bearbeitung lag daher in deren Wiederbehandlung. Das aktuell umgesetzte Konzept der „Restaurierung einer Restaurierung“ bewahrt die Restaurierung von 1938/39 zu Gunsten der Lesbarkeit der Darstellung, obgleich die für die damalige Zeit sehr fortschrittliche Restaurierauffassung Leuschs aus heutiger Sicht nicht mehr zu vertreten ist. Dies gilt besonders in Bezug auf seine sehr malerisch ausgeführten freien Ergänzungen bis hin zu partiellen Übermalungen.

 

Die Festigung umfangreicher Malschichtlockerungen, die Reinigung der Oberfläche, die optische Reduzierung des Weißschleiers auf der Malschicht sowie die Überarbeitung farblich veränderter Retuschen bildeten den Schwerpunkt der Bearbeitung.

 

Diplomarbeit an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (2006/2007)

Eigentümer: Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz

 

Abbildungen:

oben: Gesamtaufnahme im Vorzustand;

Mitte oben: Detailaufnahme der Hunde PAX und VERITAS im Vorzustand;

Mitte unten: Detailaufnahme Gabriels im Endzustand;

unten: Gesamtaufnahme im Endzustand

© Annemarie Huhn, mit freundlicher Genehmigung der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz

  

zugehörige Veröffentlichungen

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