Die Konservierung eines einteiligen ägyptischen Kartonagesargs
 

  Kartonagesarg im Vorzustand

© Annemarie Huhn, mit freundlicher Genehmigung des ägyptologischen Instituts der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

 

Die Sammlung des ägyptologischen Instituts der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg beherbergt mit dem Kartonagesarg einer Unbekannten (Inv.-Nr. 1014) ein bemerkenswertes Beispiel eines übergossenen Kartonagesarges aus der Zeit 945 bis 900 v. Chr.

 

Der Kartonagesarg ist Teil eines nicht erhaltenen mehrteiligen Sargensembles und enthielt als innerster Sarg die Mumie. Der ursprünglich einteilige Kartonagesarg liegt heute in zwei Teilen vor, nachdem er zum Entfernen der Mumie zerschnitten wurde. Der Sarg besitzt eine anthropomorphe Form, wobei Kopf, Perückenzöpfe, Knie und Fußteil plastisch herausgearbeitet sind. Die vorderseitige Bemalung wird durch einen schwarzbraunen Überguss vollständig verdeckt. Vergleichsbeispiele, Streiflicht- und Infrarotuntersuchungen erlauben jedoch die weitgehende Rekonstruktion der Darstellung.

 

Herstellungstechnik

Die Grundform bildete ein anthropomorpher Formkern, über den bis zu 17 Lagen Leinengewebe aufkaschiert wurden. Die Gewebelagen sind einzeln starr miteinander verklebt. Nach dem Trocknen der Textilkaschierung wurde der Formkern durch einen rückseitigen Schnitt herausgelöst, der Kartonagesarg grundiert, die Mumie eingelegt und der Sarg mit einer Schnürung verschlossen. Erst im Anschluss erfolgte die Bemalung. Der Kartonagesarg ist großflächig mit einem schwarzbraunen Material übergossen, das an den Seitenflächen herabgeflossen ist.

 Restauriergeschichte

Der Kartonagesarg erfuhr zahlreiche Beschädigungen und Bearbeitungen in älterer und jüngerer Zeit. Die gravierendsten Eingriffe stehen im Zusammenhang mit dem Entfernen der Mumie, wofür man den Kartonagesarg in zwei Teile zerschnitt.

 

 Erhaltungszustand

Die Textillagen hatten sich vielfach an den Schnittkanten und am Fußende voneinander getrennt und fächerten auf. Massive Deformationen z.B. am Kopf, hauptsächlich verursacht durch die Entnahme der Mumie, verstärkten sich bereits durch das Eigengewicht des Kartonagesargs. Neben seiner ursprünglichen Funktion verlor der Kartonagesarg durch die Entnahme der Mumie auch eine natürliche Stabilisierung von Innen. Frühere Restaurierungseingriffe im Bereich eines Feuchteschadens erfüllten nicht mehr ihre stabilisierende Funktion. Die Beschädigungen des textilen Trägers wie Deformationen, Schnitte, Risse und Brüche bedingten umfangreiche Malschichtlockerungen und -verluste.

 Konservierung

Im Mittelpunkt der Bearbeitung des Kartonagesargs standen konservatorische Aspekte, wie die Stabilisierung von Textilrändern, auffächernden Textillagen, Geweberissen und -brüchen sowie die Festigung der Malschicht. Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Entwurf und die Anfertigung (Thomas Leu, Metallgestalter Halle/Saale) eines inneren Stützgerüstes aus einzelnen Stützsegmenten zur Stabilisierung des Kartonagesargs.

 

  Mitte: Hockender Torwächter in Nilpferdgestalt, linke Schulter, Seitenteil, Vorzustand

unten: Kartonagesarg mit Stützgerüst

© Annemarie Huhn, mit freundlicher Genehmigung des ägyptologischen Instituts der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

 

 

Atelierarbeit im Studiengang Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, 2005/2006

Eigentümer: Ägyptologisches Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

 

Zugehörige Veröffentlichung

 

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